Es beginnt schon am Morgen mit der ersten Schüssel Haferflocken, wenn dein Kind fragt, warum es kein Schokomüsli essen darf: Dein Kind diskutiert ständig und über alles. So endet eine einfache Bitte regelmäßig in einem Schlagabtausch, der dich schon vor dem ersten Kaffee am Morgen erschöpft zurücklässt.
Dein Kind hat immer eine andere Meinung, hinterfragt alles und das führt oft zu endlosen Diskussionen, die nicht selten im Streit enden.
In diesem Artikel erfährst du:
- warum dein Kind so viel diskutiert und wie du sein Verhalten besser verstehen kannst.
- wie du klare Grenzen setzen kannst, ohne in Machtkämpfe zu geraten.
- mit welchen konkreten Tipps du gelassener auf Diskussionen reagieren kannst.
Warum Kinder ständig diskutieren
Wenn du dich fragst, warum dein Kind ständig diskutiert, ist es wichtig zu verstehen, welche Bedeutung Diskussionen für die Entwicklung deines Kindes haben.
Oft geht es bei den ständigen Diskussionen nämlich gar nicht nur um das Thema selbst, sondern um die dahinterliegenden Bedürfnisse deines Kindes. Kinder, die viel diskutieren, haben oft ein Bedürfnis nach Autonomie und Selbstbestimmung.
Dieses Bedürfnis ist ein natürlicher Teil ihrer Entwicklung. Deshalb ist es eigentlich etwas Gutes, wenn dein Kind gern und viel diskutiert. Es lernt dabei, seine Meinung mitzuteilen, Grenzen auszutesten und herauszufinden, wie weit der eigene Einfluss reicht.
Dein Kind darf und soll Selbstbewusstsein entwickeln und den Mut haben, seine Sicht, seinen Willen, seine Bedürfnisse und Wünsche zu äußern. Das heißt aber nicht, dass du als Mutter oder Vater diese Wünsche immer erfüllen musst; es geht dabei vielmehr um das Anerkennen.
Tipp: Wenn du mehr darüber wissen möchtest, wie du die Bedürfnisse deines Kinders besser verstehen kannst, lies gern meinen Artikel über beziehungsorientierte Erziehung.
Diskutieren heißt nicht Grenzen missachten
Je älter dein Kind wird, desto öfter wird es auch dein „Nein“ hinterfragen. Das bedeutet aber nicht, dass es Grenzen grundsätzlich missachtet oder respektlos ist. Vielmehr steckt dahinter der Wunsch deines Kindes, zu verstehen und Argumente zu hören, die ihm dieses Verstehen erleichtern.
Diskutieren ist aber nicht nur gut für die Entwicklung deines Kindes. Sie ist außerdem ein Zeichen dafür, dass es dir vertraut und sich in der Beziehung zu dir sicher fühlt. Als Mutter oder Vater bist du die beste Person, an der dein Kind üben kann, seinen Standpunkt zu vertreten und zu verhandeln.
So vermeidest du Endlos-Diskussionen mit deinem Kind
1. Erkenne und vermeide die Diskussionsfalle
Viele Eltern, die ich in meinen Coachings begleitet habe, berichten, dass sie sich in endlosen Diskussionen mit ihren Kindern wiederfinden, die am Ende zum Machtkampf werden. Damit das nicht passiert, hilft es, wenn du auf klare Formulierungen achtest und dich nicht in langen Argumentationen wiederfindest. Bleibe ruhig, gib klare, kurze Antworten und biete damit weniger Raum für Diskussionen.
2. Argumentiere und höre zu
Wenn dein Kind das nächste Mal eine Diskussion beginnt, höre mal genau hin und gib ihm Gelegenheit, seine Argumente vorzubringen − vielleicht hat es gute Gründe, von denen du dich überzeugen lassen kannst. Je nachdem, wie alt dein Kind ist und über welches Thema du mit ihm diskutierst, sei kompromissbereit.
Kompromisse eingehen heißt nicht automatisch, nachzugeben. Es führt auch nicht zwangsläufig zu noch mehr Diskussionen. Du zeigst deinem Kind damit, dass du es siehst und hörst −und es lernt, dass man aus dem Standpunkt des anderen etwas lernen kann.
3. Erkenne, was dein Kind wirklich in dem Moment braucht
Wenn dein Kind Einspruch erhebt, kann es auch dein, dass ein konkretes, emotionales Bedürfnis in der jeweiligen Situation dahintersteckt, das du nicht direkt erkennen kannst. Wenn es zum Beispiel diskutiert, weil es am Abend noch nicht ins Bett gehen will, könnte es vielleicht ein Bedürfnis nach Nähe haben oder Angst, etwas zu verpassen.
Wenn du in einer solchen Situation Sicherheit und Nähe anbietest, anstatt dich auf eine lange Diskussion einzulassen, erfüllst du das Bedürfnis und umgehst einen Konflikt.
Wenn dein Kind in Diskussionen plötzlich wütend wird oder stark emotional reagiert, erfährst du im Artikel Wutausbrüche beim Kind, wie du reagieren kannst, um die Situation zu entschärfen.
4. Mache Kurze, klare Ansagen
Wenn du zu viel erklärst und dich immer wieder auf lange Diskussionen mit deinem Kind einlässt, verwässerst du deine eigene Glaubwürdigkeit. Dein Kind spürt, wenn du unsicher bist. Es könnte dadurch Grenzen weniger ernst nehmen, weil es glaubt, die Regeln ändern zu können. Mit klaren Ansagen dagegen vermittelst du Sicherheit und Beständigkeit.
Wenn du konsequent klar und liebevoll Grenzen setzt, vermeidest du lange Diskussionen und bringst mehr Ruhe und Harmonie ins Familienleben. Apropos Harmonie: Wenn du wissen willst, wie du mehr Harmonie in deinen Familienalltag bringst, lies meinen Artikel dazu.
5. Reagiere ruhig und gelassen
Von den Eltern, mit denen ich arbeite, weiß ich, dass sie oft erschrocken oder gar empört sind über die Reaktion ihrer Kinder. Mein Tipp: Versetze dich in dein Kind und seine Situation. Wenn du seine Perspektive einnimmst, fällt es dir leichter, sein Verhalten zu verstehen. Klingt vielleicht banal, funktioniert aber sehr gut.
Mache dir bewusst, was dir wichtig ist
Kenne dein Warum und deine Werte. Wenn du Klarheit darüber hast, was dir wichtig ist, kannst du leichter Grenzen setzen, weil sie sich für dich richtig anfühlen. Du kannst deinen Standpunkt vertreten, ohne laut werden zu müssen oder deinem Kind zu drohen. Wenn dir zum Beispiel Hilfsbereitschaft wichtig ist und dein Kind sich weigert, dich beim Tischdecken zu unterstützen, kannst du klar und authentisch erklären, warum dir seine Mithilfe so wichtig ist.
Dieses Bewusstsein darüber, warum dir bestimmte Regeln wichtig sind und weshalb du etwas erlaubst oder nicht, gibt dir −und damit auch deinem Kind − die Sicherheit und Orientierung, die es braucht. Denn dein Kind weiß dann, dass Verlass ist auf das, was du sagst.
Gerade in Situationen, in denen du vielleicht spontan „nein“ sagen würdest, kann es helfen, einen Moment innezuhalten und deinem Kind zu sagen: „Ich denke darüber nach und antworte dir gleich“.
Fazit
Als Elterncoach weiß ich, wie ermüdend es sein kann, wenn Kinder ständig diskutieren. Von den Eltern, mit denen ich arbeiten darf, höre ich nicht selten, dass sie das Gefühl haben, festzustecken.
Aber ich kann dir sagen, dass alles leichter wird, wenn du erkennst, dass hinter dem Diskutieren deines Kindes ein Bedürfnis steckt. Wenn du klar kommunizierst, Grenzen setzt und auf Augenhöhe argumentierst, gibst du deinem Kind Orientierung und die Sicherheit, gehört und gesehen zu werden. Grundvoraussetzung für einen Familienalltag ohne endlose Diskussionen ist deine Klarheit darüber, was dir in der Beziehung zu deinem Kind wichtig ist. Wenn du das weißt und danach handelst, kannst du entspannter und gelassener auf Diskussionen reagieren.
Wenn du das Gefühl hast, allein nicht aus der Dauerschleife an Diskussionen herauszukommen, schreibe mir gerne und wir vereinbaren einen Termin für ein unverbindliches Erstgespräch, in dem wir herausfinden, wie ich dir helfen kann, damit schon bald mehr Ruhe in euren Familienalltag kommt.